Bin ich Nutzer oder Benutzter? Wie Sie ihr digitales Verhalten in den Griff kriegen

Eine Kundin hat mir erzählt, sie habe sich von Ihrem Mann gewünscht, dass der erste Blick am Morgen und der letzte am Abend ihr gehöre – und nicht seinem Handy. Dies ist wohl eine der zentralen Auswirkungen, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen: Inwiefern beeinflussen die digitalen Mittel unsere Beziehungen? Dazu brauchen wir keine Statistiken, müssen wir auf keine wissenschaftlichen Beweise warten. Hier ist der Effekt unmittelbar spürbar – ob erwünscht oder unterwünscht. Wenn Sie Wert auf die Qualität Ihrer Beziehungen legen, lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen.

Das Handy stellt nicht nur Partnerschaften, sondern ganze Familien tagtäglich vor neue Herausforderungen im Zusammenleben, die nicht selten in Konflikten enden.

Sich das eigene Verhaltensmuster bewusst zu machen und Verhaltensweisen zu wählen, welche konstruktiv sind, ist für uns selbst sondern auch für das Zusammensein mit unseren Nächsten zentral.

Knipsen Sie lieber Ihr Gehirn an, bevor Sie Handy & Co. ausschalten 

Die Symptome sind vielfältig und inzwischen unbestritten: Digital macht nervös, süchtig, konfus, im schlimmsten Fall krank. Das gängige und weit verbreitete Mittel dagegen scheint ‘Digital Detox’ zu sein. Der radikale Verzicht also, vom einen Extrem ins andere. Angebote gibt es unüberschaubar viele, das Geschäft damit blüht. Was jedoch machen Sie nach der digitalen Verweigerungswoche weit abseits vom Alltag, wenn Sie zurück im normalen Umfeld  sind?

Wir können die digitalen Mittel nicht mehr aus unserem Leben wegzaubern, nicht einmal mehr eine Suppe kochen geht ohne digitales Piepsen. Es geht also vielmehr um die Frage: Wie lebe ich mit Handy & Co., so dass es für mich und mein Umfeld stimmig ist?

Die schnell drehende digitale Welt mag verrückt sein – aber warum sollten wir uns von ihr verrückt machen lassen? Hier ein paar Anregungen dazu, wie Sie sich und Ihre Handlungsweisen selbst positiv beeinflussen können. Denn wenn wir das nicht mehr eigenständig können, sondern dazu externe Mittel benötigen, bewegen wir uns bereits in der bedenklichen Zone.

Impulse für’s Self-Coaching, um meine digitales Verhalten im Griff zu haben:  

Besser als radikal: Welche Fragen stelle ich mir, wenn ich das Handy oder andere digitale Geräte nutze?

Drei Selbst-Check Fragen, die den Unterschied machen und Sie davon verschonen, zur Marionette Ihres Handy’s zu werden:

  • Navigator oder Autopilot: Nutze ich das Handy als ein Instrument und bin am Steuer, oder benutzt und lenkt es mich?

Immer wenn ich es so nutze, wie ich analog auch etwas gesucht hätte (z.B. im Telefonbuch) oder gelesen habe (z.B. eine Zeitschrift), dann verfolge ich einen von mir bestimmten Zweck, suche die Antwort auf eine aktuelle Frage, oder knüpfe den direkten Kontakt zu einer mir wichtigen Person. Und sobald ich die Antwort gefunden habe – stopp!

  • Wer ist in meiner direkten Umgebung, wenn ich das digitale Gerät benutze?

Egal ob ich Emails anschaue, eine SMS an einen Freund schreibe, die Einkaufsliste aktualisiere oder einen Facebook Eintrag anschaue: Meine Körpersprache ist immer dieselbe, meine Sinne sind auf den Screen fixiert, meine Aufnahmefähigkeit ist begrenzt. Wenn ich meine Präsenz ins Handy verlege, ist dies sinnlich spürbar für andere, wirkt abweisend und kann enorm verletzend sein. Es genügt jedoch meistens schon, wenn ich meiner Absicht oder meinem Tun in wenigen Worten einen Namen gebe und mein Abschweifen benenne: ‘Ich schaue kurz nach, wie lange es noch regnet’. So signalisiere ich, dass die Person im Raum erste Priorität hat, dass ich mir meinem Ausklinken bewusst bin und dies damit für mein Gegenüber nachvollziehbar mache.

  • Immer wenn Sie die Akkus Ihres Handys laden, fragen Sie sich auch: Wie steht es mit meinen eigenen Batterien?

Habe ich einen bewussten Atemzug gemacht? Ist meine Haltung entspannt? Habe in den letzten Minuten etwas – wenn möglich etwas Natürliches – aufmerksam angeschaut? Habe ich mich jemandem zugewandt und zugehört?

Digitale Geräte können dann eine Bereicherung in unserem Leben sein, wenn sie ein Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck sind. Wir können in diesem weltumspannenden und tiefgreifenden Prozess nicht viel beeinflussen. Konzentrieren wir uns jedoch auf den ‘Circle of Influence’, wie Steven Covey es so gut auf den Punkt gebracht hat, auf das, was wir direkt beeinflussen können, und bleiben wir so Meister unseres Lebens und unserer Beziehungen. Das Handy soll uns dabei dienen.

Wenn Sie gerne mit einem Gesprächspartner über diese oder andere Fragestellungen reflektieren möchten, finden Sie mich hier.

digitales Verhalten in den Griff kriegen

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